Herzlich willkommen in dieser neuen Rubrik, in der man nachlesen kann, wovon Wolfram so träumt!
Ich wurde immer mal auf die leckeren Dinge angesprochen, die im „Spielmann“ ihren Nebenauftritt haben: gebratene Schweine, dicke Suppe, Würste, Kuchen und Brote. Und da ich das ausgesprochene Glück habe, im Kontakt mit einer ausgewiesenen Expertin für mittelalterliche Küche und Essgewohnheiten zu stehen, bin ich nun glücklich in der Lage, Euch ein wenig näher mit den kulinarischen Gegebenheiten der Spielmannswelt vertraut zu machen.
Mein Dank gilt Nicole, die den folgenden Artikel verfasst hat. Die Rezepte hat sie aus (hoch-)mittelalterlichen Kochbüchern in eine heute gut lesbare Form umgewandelt und mit zusätzlichen Informationen versehen.
Sollte also demnächst ein hungriger Spielmann bei Euch auf der Schwelle stehen, der um eine milde Gabe bittet, weil die hartherzige Autorin ihm wieder nur eine Gänseblümchensuppe geschrieben hat – nun, jetzt wisst Ihr, wie Ihr ihn glücklich machen könnt.
Wer noch Fragen zum Thema hat, auch spezielle, kann mir gerne schreiben, ich leite es dann an Nicole weiter.
Viel Vergnügen!
oooOOOooo
Mittelalterliche Rezepte zeichnen sich
insbesondere aus durch das fast komplette Fehler jeglicher Mengen- und
Zeitangaben. Das liegt in erster Linie daran, dass Kochrezepte als
Gedankenstütze von (schreibkundlichen) Haushaltsvorständen aufgeschrieben wurden,
die ihre (nicht lesen könnenden) Köche dann anleiteten – und die Köche wussten
schon, wie lange man einen Spießbraten röstete und wie viel ‚Salsamentenpuder’
(Gewürz) daran kam. Von diesen meist nicht näher spezifizierten Gewürzen kamen
reichlich ans Essen, aus verschiedenen Gründen: etwa der Wunsch zu Protzen
(Gewürze waren teuer, da weit gereist), nach dem langen Transport in nicht
aromasicheren Verpackungen abgemilderter Geschmack, die Notwendigkeit
Nebengeschmäcker von Konservieren (meist mit Salz) zu übertönen. Die
überlieferten Rezepte stammen alle aus Klöstern, Adelshaushalten oder denen
reicher Stadtbürger. Bauer und andere Menschen am unteren Ende der
Standespyramide aßen weitaus einfacher: meist nur eine Mahlzeit am Tag,
bestehend aus Getreidebrei aus Gerste oder Hafer oder aber Kraut oder Rüben,
wenn vorhanden mit etwas Speck oder Fleisch, dazu dann Brot aus Roggen oder
Gerste. Weizenbrot war dem Herrentisch vorbehalten.
Nicht vergessen dürfen wir die Fastenzeiten. An rund 125 Tagen im Jahr durfte kein Fleisch verzehrt werden, auch deswegen war der Verzehr von Fisch im Mittelalter weitaus höher als heute. Oder man erklärte kurzerhand alle Tiere, die im oder am Wasser leben, zu Fischen – weswegen wir in mittelalterlichen Kochbüchern z.B. auch leckere Rezepte zur Zubereitung von Bibern finden.
Mittelalterliche Rezepte (zum Nachkochen)
Blancmanger – Weiße Speise (der Klassiker,
ähnliche Rezepte findet man noch heute in der Türkei)
200g Marzipanrohmasse 1 l Milch
4 Hähnchenbrustfilets (Hähnchen, kein Huhn!!!)
1 EL Amaretto
2 EL Butter
2 EL Speisestärke (wer hat, nimmt Reisstärke oder mahlt dafür Milchreis sehr, sehr fein)
50 g Zucker
Milch zum Kochen bringen und
Marzipanrohmasse darin komplett auflösen. Die Hähnchenbrüste in der Mandelmilch
ca. 20 Min. gar ziehen lassen, aus der Milch nehmen und warmstellen.
Aus Butter und Stärkemehl eine Mehlschwitze herstellen und portionsweise die Mandelmilch unterrühren. Etwa 20 Min. einkochen lassen, mit Zucker und Amaretto abschmecken.
Die Hähnchenbrüste in dünne Scheiben schneiden, auf einer Platte anrichten und mit Mandelmilch übergießen.
Mandelbrei mit Äpfeln
75 g Mandeln
125 ml Wasser
125 ml Wein
1 – 2 EL Honig
3 – 4 Scheiben Weißbrot
2 EL Butter
2 Äpfel
Mandeln mit kochendem Wasser übergießen,
kurz ziehen lassen, dann abseihen und mit kaltem Wasser abschrecken. Mandeln
häuten und sehr, sehr fein mahlen. In den Mixer füllen, nach und nach Wein und
Wasser dazu geben und so lange pürieren, bis eine cremige, weiße Milch
entsteht.
Weißbrot entrinden, würfeln und ohne Fett in einer Pfanne anrösten. Die Brotwürfel in die Mandelmilch geben und alles aufkochen, mit Honig abschmecken.
Äpfel schälen, Kerngehäuse entfernen, in Schnitze schneiden und in Butter kurz anbraten. Äpfelschnitze mit dem Mandelbrei servieren.
Hirsebrei
250 g Hirse
ca. ½ l Fleischbrühe
Salz
Pfeffer
ger. Käse
Hirse gründlich waschen (im Sieb). Mit
reichlich Wasser aufkochen und ca. 20 Min. köcheln lassen, bis sie aufgequollen
ist. Abseihen und mit Fleischbrühe zur gewünschten Konsistenz mischen. Und nochmals
aufkochen. Mit salz (vorsichtig) und Pfeffer würzen. Mit ger. Käse servieren.
Krumme Krapfen
300 g ger. Käse
150 g Mehl
2 Eier
Pfeffer
1 Pr. gem. Kümmel
Schmalz zum Ausbacken
Alle Zutaten verkneten. Sollte der Teig zu
klebrig sein, noch etwas Mehl unterkneten. Aus dem Teig Würste formen, zu
Hufeisen biegen und diese im Schmalz goldbraun ausbacken.
Mandelkuchen
250 g Mehl
100 g Butter
50 g Zucker
1 Ei
Aus diesen Zutaten einen Mürbeteig
herstellen, ausrollen und eine gefettete Tarteform damit auslegen.
250 g gehäutete, gemahlene Mandeln
1 EL Rosenwasser oder 1-2 EL Cointreau (oder anderer Likör)
3 Eiweiß
125 g Zucker
125 ml geschlagene Sahne
1 Eigelb zu Bestreichen
Eiweiß mit Zucker steifschlagen. Alle
anderen Zutaten vorsichtig unterheben. Masse auf dem Teig verteilen und bei
180°C (Umluft, sonst 200 °C) ca. 45 Min. backen. Kuchen mit Eigelb bestreichen
und weitere 10 – 15 Min. backen.
Fleischknödel
500 g Rinderhack
1 in Wasser eingeweichtes, ausgedrücktes Brötchen
2 Eier
3 fein gehackte Frühlingszwiebeln
3 EL gehackte Petersilie
1 fein gehackte Knoblauchzehe
Salz
Pfeffer
ger. Muskatnuss
Alle Zutaten gut vermischen. Mit
angefeuchteten Händen Knödel beliebiger Größe formen und diese (original) in Fleischbrühe
einige Minuten gar ziehen lassen oder sie in der Pfanne mit etwas Fett rundum
braten.
Werden die Klöße gekocht, muss eine Sauce dazu serviert werden. Dafür
aus1 EL Butter und 1 ½ EL Mehl eine
Mehlschwitze herstellen, portionsweise 50 ml Sahne und dann von der Fleischbrühe,
in der die Klöße gekocht wurden, dazugeben, immer gut verrühren, bis zur
gewünschten Konsistenz der Sauce. Abschmecken mit Pfeffer, Muskat und evtl.
Salz. 1 Bd. Petersilie Hacken und unter
die Sauce ziehen.
Kalbsrollbraten
1 kg Kalbsfleisch aus der Keule, ein möglichst flaches Stück
100 g gewürfelter Bacon
1 - 2 TL zerstoßene Fenchelsamen
1 – 2 EL zerriebener Majoran
1 Bd. gehackte glatte Petersilie
Salz
Pfeffer
1 EL Öl
Fleisch mit dem Fleischhammer vorsichtig
flachklopfen. Den Bacon und die Gewürze darauf streuen und alles
zusammenrollen. Mit Schaschlikspießen feststecken. Braten mit Öl einpinseln,
auf einen Rost auf der Fettpfanne in den Ofen geben. Bei 200 °C ca. 1 Stunde
braten, dabei mehrfach mit Wasser oder Fleischbrühe übergießen. Wer mag, gibt
ca. 10 Min. vor Bratende 1 EL in 50 ml Wein aufgelösten Honig über den Braten.
Hyppocras – Gewürzwein
3 l weißer oder roter Wein Zucker
75 g Gewürzmischung (in einem Leinensäckchen oder zugebundenem Teefilter) aus:
Nelken
Muskat
Rosinen
Evtl. Ingwerwurzel (wenig)
Wein mit der Gewürzmischung auf 1 Liter
einkochen lassen, nach Geschmack zuckern und noch einmal aufkochen. Gut gekühlt
servieren.
Waffeln
120 g Butter
240 g Mehl
1 Pr. Salz
2 EL Honig
30 g Sahne
Butter 1 Min. aufschlagen. Mehl und Salz
unterrühren. Honig und Sahne mit einem Messer unterheben.
Teig 2 mm dick ausrollen, runde Plätzchen ausstechen und bei 150 °C (Umluft 140 °C) auf einem gefetteten Backblech 15 – 20 Min. backen. Warm servieren.
Krautsalat1 Kopf Rotkohl, geraspelt
3 EL Mandelsplitter
2 EL Rosinen
2 EL Korinthen
2 EL kleingeschnittene getr. Feigen
2 EL Kapern
3 EL kleingeschnittene Oliven
4 EL kleingehackte Mixed Pickles
3 Orangen in Achteln
Sauce:
4 EL Essig
2 EL Zitronensaft
3 EL Öl
1 TL Salz
2 - 3 EL Zucker
Salatzutaten vorsichtig vermengen.
Saucenzutaten verquirlen und Sauce unter den Salat heben.
Spanferkel „Frauenglück“
Man nimpt ein Sponfercken vnd bradet es /
lests kalt werden / vnd stichts darnach vnterm bauche mit einem stecken zu /
nimpt kleine oder grosse lebendige Ahlen / sticht sie durch des Sponfercken
maul dar hinein / stopffet das maul mit einer Birn oder Epffel zu / wenn dann
die essen auffgehoben sein / scneidet man das Sponfercken von einander / so
lauffen die Ahlen auffm tische herumb / vnd solches ist eine schône lust fûrs
Frawenzimmer.
Sponfercken ist Spanferkel, Ahlen sind Aale, Epffel sind Äpfel, und Frawenzimmer sind von so was heute gar nicht mehr amusiert.
Literatur-Empfehlungen:
Trude Ehlert, Das Kochbuch des Mittelalters, Zürich und München 1991.
Manfred Lemmer (Hrsg.), So wirt es gut vnd wolgeschmack, Heute kochen nach alten deutschen Rezepten, Leipzig 1991.
Norman Foster, Schlemmen hinter Klostermauern, Hamburg 1979.